Allgemeine Sinnesphysiologie Hautsinne, Geschmack, Geruch by Prof. Dr. Herbert Hensel (auth.)

By Prof. Dr. Herbert Hensel (auth.)

Die Grundlagen der allgemeinen oder theoretischen Sinnesphysiologie be­ finden sich gegenwärtig in einem entscheidenden Umbruch. Hatte guy bislang, gemäß der Denkweise eines traditionellen Naturalismus, das theoretische Funda­ ment der allgemeinen Sinnesphysiologie in den objektiven Wissenschaften ge­ sucht, so beginnt die Sinnestheorie sich heute aus dieser Abhängigkeit zu befreien und eigenständige methodische Ansätze zu entwickeln .. Die vorliegende Darstellung soll ein Beitrag zu dieser neuen Richtung sein. used to be uns die Sinne zeigen, ist originär und nicht aus anderen Gegebenheiten ab­ leitbar. Die Wahrnehmung als autonome Erkenntnisquelle stellt der Sinneslehre die Aufgabe einer Selbstbegründung und einer primären Strukturanalyse der Sinnenwelt, ohne sich von vornherein auf die von den exakten Wissenschaften angebotenen Begriffe festzulegen. Erst in zweiter Linie wäre dann zu fragen, welche Beziehungen zwischen den Sinnesphänomenen und den Begriffssystemen oder Sachverhalten der positiven Wissenschaften bestehen. Im zweiten Teil des Buches werden die Physiologie der Hautsinne, des Ge­ schmacks und des Geruchs als in sich geschlossene Abschnitte erörtert. Ich habe auch hier versucht, einige in der allgemeinen Sinnesphysiologie entwickelte Ge­ dankengänge einzuführen und so einen inneren Zusammenhang mit dem ersten Teil herzustellen. Manches mußte freilich noch recht heterogen bleiben, nicht zu­ letzt deshalb, weil ein großer Teil der heute bekannten sinnesphysiologischen Tatsachen das Resultat von Fragestellungen ist, die den Denkgewohnheiten der naturalistischen Sinneslehre entspringen. Neue Gesichtspunkte erscheinen mir besonders dort notwendig, wo Einzelfragen - wie etwa das challenge der "Spezi­ fität" der Hautsinne - zugleich Brennpunkte allgemein sinnesphysiologischer Auseinandersetzungen sind.

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"1 Jind released lectures insipid. " ALEXANDER VON HUMBOLDT ta LOUIS AGASSIZ, January 15, 1840 many stuff converse opposed to the e-book of lectures. The influence of the spoken be aware is particularly various from that of the written notice. Repeated recapitulations, which aid the listener lower than­ stand, are pointless, and the overtones of speech disappear in print.

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172) hervorhebt, noch viel zu sehr von der Untersuchung isolierter Sinnesfunktionen aus, die dem intentionalen Prinzip der Wahrnehmung in keiner Weise gerecht werden. 11. Das Prinzip der analytischen Reduktion Der Ansatzpunkt der theoretischen Sinnesphysiologie unterscheidet sich grundsätzlich von den methodischen Voraussetzungen der positiven Wissenschaften. Das allgemeine Leitmotiv der letzteren, insbesondere der exakten Naturwissenschaften, ist der Objektivismus, die Herausarbeitung einer vom beobachtenden Subjekt unabhängigen Außenwelt.

V. WEIZBÄCKER, 1). Eine Beobachtung unter einen Begriff bringen hieße in diesem Sinne, sie als logische Möglichkeit aus allgemeinen Prinzipien herzuleiten. Ein wesentlicher Unterschied gegenüber der Sinneserfahrung liegt in der absoluten Objektivität der logischen oder begrifflichen Sphäre. Schon BOLzANo hat klar erkannt, daß logische Beziehungen weder auf psychologische Gesetzmäßigkeiten noch auf "Denkgesetze" zurückführbar sind, sondern ihren eigenen Gesetzen unterliegen. Wenn wir denken, stellen wir lediglich die Verbindung der logischen Inhalte mit unserem individuellen Bewußtsein her, aber die logischen Beziehungen als solche werden nicht durch das Denken hergestellt, sondern von ihm nur erfaßt oder "angeschaut" (Intuition).

Der Wahrnehmungsakt kann nicht auf seine bloßen Inhalte reduziert werden. Sehe ich von allem Gegenständlichen ab, so verbleibt stets noch das Erlebnis der Intention, der "reinen Aktivität" (HussERL). Dieser Sachverhalt der Selbsttätigkeit oder Spontaneität im Wahrnehmen widerspricht einer rein rezeptiven Auffassung des Wahrnehmungsaktes. Er steht darüber hinaus auch im Gegensatz zu der Auffassung, das Bewußtsein sei eine "tabula rasa" oder ein "white paper" (LOCKE), das durch nichts anderes als durch seine Inhalte bestehe, entsprechend dem Satz des Sensualismus "nihil est in intellectu, quod non prius fuerit in sensu".

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